OKTOBERFEST – EIN FEST?

Das Oktoberfest in München ist gar nicht weit weg von meinem Wohnort.

Seit dem 26. September 1980 war ich nicht mehr dort und nichts drängt mich mehr dorthin. Natürlich war es als Kind ein Ereignis, wenn wir auf‘s Oktoberfest gingen. Jetzt ist es überhaupt so, daß ich Menschenmengen meide und mich in solchem Trubel nicht wohlfühle.

Aber das ist es nicht nur, denn am 26.09.80 war das Oktoberfest-Attentat. Ich weiß noch, daß wir schon zum Mittagessen auf die Wies‘n gingen und nur kurz bleiben wollten. Das machten wir auch und gingen bald wieder heim.

Ich wohnte damals draußen in München – Kleinhadern und arbeitete zu der Zeit als Krankenschwester im Krankenhaus Rechts der Isar.

Wir hatten damals noch kein Smartphone und auch kein Fernsehgerät in unseren kleinen Schwesternzimmern. Am nächsten Morgen, dem 27.09. fuhr ich also ganz unbedarft mit der Tram um 4.30 Uhr los, um pünktlich zum Frühdienst im R.d.I. anzukommen.

Mein Arbeitsplatz war in der septischen Chirurgie, also eine Station, auf der Patienten mit sehr schlimmen Wundinfektionen lagen. Teilweise waren sie auch ein Jahr bei uns und ihre Wunden wollten nicht heilen. Es war ein Jammer, ein Verbandwechsel konnte da schon manchmal eine Stunde pro Patient dauern. Damals hatten wir noch Zeit für die Patienten und es war noch kein PC auf Station.

Da kam ich also am 27.09.80 zum Frühdienst und die Kollegin vom Nachtdienst war ziemlich käsig um die Nase und der Dienstarzt rotierte auf der Station. Alle Zimmer waren überbelegt und es war schrecklich! Wir hatten Opfer vom Oktoberfest-Attentat zugelegt bekommen. Es war so fürchterlich, wir kannten Patienten mit solchen Verletzungen nur nach schweren Verkehrsunfällen oder schlimmen Arbeitsunfällen. Aber in diesen Ausmaßen sahen wir jungen Schwestern das noch nie. Wir wußten nur Geschichten von den „uralten“  Kolleginnen, die bereits ganz jung im Feldlazarett gearbeitet haben. Jetzt hatten wir Patienten, denen die Extremitäten abgerissen und aus den Gelenken gedreht wurden und in deren Körpern Metallteile steckten. Es waren ganz fürchterliche, klaffende Weichteilverletzungen. Ich muß zugeben, daß ich bei der Pflege teilweise geweint habe. So stellte ich mir ab da Krieg vor.

Wenn ich heute Bilder von Attentaten oder Kriegen sehe, habe ich so eine riesengroße Wut, daß mir übel wird. Meine Gefühle für Attentäter und Kriegstreiber mag ich nicht sagen, nur, daß ich kein Fünkchen Gnade übrig habe und hoffe, daß sie am eigenen Leib erfahren, was sie den Menschen antun!

 

4 Gedanken zu “OKTOBERFEST – EIN FEST?

  1. Danke für deinen Beitrag, der an Ereignisse erinnert, die man nicht so schnell vergessen sollte. Mir geht es ähnlich, dass mich nach jedem Terroranschlag eine Wut überkommt. Man sollte jedoch aufpassen, dass die Wut sich nur auf das Ereignis selbst bezieht und nicht in einen pauschalen Hass gegen gewisse Vökerungsgruppen oder Religionen überschwappt. Wir sind alle Menschen und alle leben unter der gleichen Sonne. 🙂
    Wünsche dir einen schönen Sonntag, denn die Sonnte präsentiert sich ja schon 🙂
    LG Alexander

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  2. Lieber Alexander, bin ganz deiner Meinung. Natürlich darf man seine Wut nicht auf Religion und/oder Völkergruppen übertragen. Jedoch diese Einzelpersonen oder die Bande, die das ausklügeln und verursachen und einfach die Tatsache, daß es passiert und daß so ein Anschlag so viel Leid verursacht, bringt mich in große Wut. Aber es wird wieder passieren, der Mensch ist dem Menschen ein Wolf.
    LG Elisabeth

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      • Lieber Alexander, hab‘ bereits nach den Einstellungen gesehen, da paßt es. Aber bei mir war es plötzlich so, daß ich die Meldungen deiner und Thomas’ Antwortkommentare von euren Blogs nur noch ins „Werbungsfach“ bekomme. Hat gedauert, bis ich das bemerkt habe☺️ Ich weiß nicht, was da wieder mal los ist…..kennst mich ja, bin ein totaler IT-Depp🙈
        LG Elisabeth

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