Der Jugendtraum

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….das war er, der Jugendtraum.

Lange dauerte es, bis ich 18 wurde. Damals wohnte ich in München, zwecks Berufsausbildung. Endlich konnte ich mit dem Führerschein beginnen! Natürlich mußte es auch eine Münchener Fahrschule sein. Ich sag‘ nur, es war ein Albtraum…. Als Kind vom Land steckte ich plötzlich mitten im Münchner Stadtverkehr, hinten hupte es, seitlich klingelte und schrillte die Trambahn, vorne Fußgänger und Radfahrer, die noch schnell bei rot über die Straße mußten…..und wer die ungeduldigen Münchner Autofahrer kennt, der weiß um deren „Vogelzeigerei“ und ähnlichen Gestiken. Vor Aufregung starb mir der Fahrschul-Toyota-Motor ständig ab.    Verzweifelt hüpfte ich mit dem geplagten kleinen Toyota Tercel die Leopoldstraße oder die Fürstenrieder entlang. Der Fahrlehrer neben mir hatte anscheinend Nerven wie Stahlseile….schließlich war Prüfung, Theorie geschafft, aber Praxis durchgerauscht. Wochen später nochmal Praxis, aber diesmal Führerschein in die Hand gedrückt bekommen. Hurrahhh, ein neues Leben fing an, nie mehr die letzte Tram versäumen, wenn man in der Disko war, niemals mehr S-Bahn fahren zu den Eltern heim und Angst vor aufdringlichen Typen haben! Und auch um 4.00 Uhr früh die erste Tram nehmen und 3mal umsteigen in S-Bahn, U-Bahn und Bus, damit man pünktlich zum Frühdienst nach Neuperlach oder in eine andere Münchner Klinik kam, das alles war hinfällig.

Also, das erste Auto mußte her, die nächsten freien Tage mit Papa am Heimatort rumgeschaut und nur einen alten Ford Escort für 500 DM aufgetrieben. Gelb, ca. 50 PS….und langweilig. Dachte mir, ich peppe ihn auf und klebte riesige John-Player-Aufkleber auf die Türen und malte mit Unterbodenschutz vom Schweller her einen 20 cm breiten Streifen die Autoseiten entlang – jetzt sah er echt sportlich aus! Er war zuverlässig und brachte mich die ganzen Münchner Jahre gut durch dick und dünn.

Später, als ich dann zurück in der Heimat war, sah ich irgendwann meinen Jugendtraum stehen – ein knallroter 2CV – eine Ente❤️ So schnell konnten meine Eltern gar nicht schauen und ich fuhr los und kaufte mir dieses wunderschöne Traumauto. Ein Gefühl der absoluten Freiheit war das! Sobald es ein bißchen warm war, hab ich das Dach zurück gerollt, die Fenster hochgeschlagen – man mußte sie echt hochklappen. Der kleine Motor mit seinen 28 PS vibrierte und los ging‘s😍 Ich kann gar nicht alle Vorteile dieses wunderbaren Autos beschreiben, das Lebensgefühl, das es übertrug – es war einfach toll! Ich liebte die Ente❤️

Als dann der Mann und das erste Kind nach und nach eintrafen, verabschiedete ich mich von der Ente und sie sich von mir, in dem der Motor seinen Geist aufgab. Das war ein trauriger Tag😢 Nachdem der Mann sagte, man braucht mit Kind ein sicheres Auto, gingen wir auf die Suche…..aber das ist eine andere Geschichte…

Jetzt sind die Kinder schon lange groß und ich überlege…..weil ich jedesmal, wenn ich eine der letzten Enten sehe, Herzklopfen und glänzende Augen bekomme…..ob ich mir nicht nochmal einen Jugendtraum erfüllen sollte……

 

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